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Wieviel Krankheit darf es sein?  (Ein persönlicher Beitrag von: Mic Rasmussen, 20.11.2009)

Der World AIDS Day 2009 steht im Zeichen der Menschenrechte  

„Right to Health“ heisst das vorrangige diesjährige Motto des weltweit jeweils am 1. Dezember begangenen Welt AIDS Tages.  

Das „Recht auf Gesundheit“ ist in vielen Ländern mit sogenannt „globaler HIV-Epidemie“ ein nach wie vor nicht eingelöstes Menschenrecht. In der Schweiz gilt es - wie die Menschenrechte überhaupt - als gesichert. Ist das so?  

Was ist im ablaufenden Jahr in der Schweiz zum Thema HIV/AIDS und Menschenrechte Bemerkenswertes passiert?  

Vordergründig nicht wenig und nicht viel. In Genf hat es bekanntlich ein beispielhaftes Gerichtsurteil gegeben. In St. Gallen hat der SÖDAK2009 ohne Stützung der HIV-Community statt gefunden. Das BAG hat neben A(H1N1) Zeit gefunden, sich mit künftigen HIV/STI-Programm zu beschäftigen (STI = sexuell übertragbare Infektionen).  

Im Hintergrund wird aber kaum etwas so nachhaltige Bedeutung haben, wie ein interdisziplinäres Zusammentreffen von HIV/AIDS-Topleuten aus allen Ecken der Welt. Die WHO hat anfangs November eine geschlossene Gesellschaft nach Genf geladen, die die Möglichkeiten von UTT („Universal Testing and Treatment“) diskutiert hat. Die Idee: Wenn wir möglichst alle testen und nach positiver Diagnose auch gleich mit antiretroviralen Medikamenten wirksam behandeln, können wir die HIV-Epidemie nachhaltig eindämmen.  

Während die WHO jetzt noch herausfinden will, ob der Ansatz „Behandlung schützt“ machbar ist, stellt sich die Frage, ob wir uns das Antworten auf die Frage überhaupt leisten können. Das sind nämlich leider keine neuen Diskussionen. Global gibt es immer noch die aus dem letzten Jahrtausend stammende einfache Botschaft zum Welt AIDS Tag:  

Access to treatment!

Keep the promise! hiess wiederholt die verstärkende Botschaft schon vor Jahren. 

In der Schweiz nehmen, wie LHIVE schon 2008 vorausgesagt hat, die HIV-Neudiagnosen zur Zeit ab. Dies bedeutet keine Entwarnung von gar nichts. Wir leben in unserer kulturell reichen Gesellschaft mit vielen Neuinfektionen, weil es laufend viele unentdeckte Neuinfektionen gibt, die sich als solche weitertragen.  

Das Verständnis dafür, dass sexuell übertragbare Krankheiten halt einfach sexuell übertragen werden, dass sich kein Virus um sexuelle Vorlieben kümmert – es ist nicht nur in Vergessenheit geraten, es wird schlicht abgelehnt: „HIV betrifft uns alle? - Das hatten wir schon, da wollen wir auch nicht wieder hin“ hören wir salopp hingeworfen von offiziellen Stellen.  

Da werden Menschen mit HIV/AIDS nicht nur sauer. Da fordern Menschen mit HIV/AIDS auch Menschenrechte ein.  

Das Recht, in Würde mit Krankheit zu leben. Das Recht auf die Unterscheidung zwischen Verantwortung und Schuld. Das Recht auf eine vom HIV-Status unabhängige Menschenwürde.  

Es ist ein epidemisch grassierendes Tabu: Krank sein dürfen!  Vor allem bei den übertragbaren Krankheiten „Wie konntest du nur, du weißt doch, wie man sich vor Infektionen schützt!“ „Nicht H1N1-geimpft? Alles klar, unverantwortlich!“ Schuldzuweisungen allenthalben!  

Bis eine WHO oder ein BAG verstehen, dass es ohne Änderung der Verhältnisse keine nachhaltige Verhaltensänderung gibt, dass es ohne engagierten und unvoreingenommenen Schutz der „Kranken“ keinen Schutz der „Gesunden“ gibt, bis dahin haben wir genug zu tun.  

Weltweit wird derzeit, in jeder Gesellschaft und Kultur, mit dem Befehl „bleib gesund!“ an eine individuelle Eigenverantwortlichkeit appelliert, die es so gar nicht geben kann. Bei übertragbaren Krankheiten schon gar nicht. Wer will als Erster einem Schweinegrippe-Opfer Schuld zuweisen?   

Das Recht auf Gesundheit ist auch ein Recht auf Krankheit und die Pflicht zur Solidarität! Das wissen wir Menschen mit HIV/AIDS aus Erfahrung. In der Schweiz und in der Welt.  

Right to Health - Let’s take the lead!